9. Türchen:

Maria Gaetana Agnesi (1718-1799)

Maria Gaetana Agnesi

Schon früh erkannte der Mailänder Mathematikprofessor Pietro Agnesi der Universität Pavia die intellektuellen Fähigkeiten seiner Tochter Maria. Sie wurde in verschiedenen Sprachen unterrichtet und bereits mit neun Jahren nahm sie an seinen akademischen Abenden teil. Von Jahr zu Jahr wuchs das Wissen der jungen Mailänderin, der ein hervorragendes Gedächtnis nachgesagt wurde. Sie führte Dispute mit Gelehrten der ganzen Welt. So berichtete der aus Frankreich stammende Italienreisende Charles de Brosses über seinen Besuch am 16. Juli 1739: „Lopping diskutierte mit ihr über durchsichtige Körper und kurvenförmige Figuren der Geometrie. Jeder redete mit ihr in seiner Muttersprache und sie antwortete jeweils in derselben Sprache. Ihre Sprachkenntnisse sind phänomenal.“
Doch Maria wollte nicht gerne im Mittelpunkt des Interesses stehen, bereits ein Jahr später äußerte sie den Wunsch in ein Augustinerkloster eintreten zu dürfen. Ihr Vater aber widersprach und die beiden einigten sich darauf, dass sie Mathematik studieren würde, dafür aber keinerlei gesellschaftlichen Verpflichtungen mehr nachkommen müsse und sich um die hilfsbedürftigen Frauen im Mailänder Krankenhaus kümmern dürfe.  1748 veröffentlichte sie ihr Werk über die Grundlagen der Analysis und widmete es der österreichischen Herrscherin Maria Theresia. Im selben Jahr wurde sie in die Akademie der Wissenschaften in Bologna aufgenommen und 1750 zur Professorin der Universität Bologna ernannt – gelehrt hat sie allerdings nie. Mit dem Tod ihres Vaters hängte sie die Wissenschaft an den Nagel und studierte neben ihrem großen Ehrenamt für Arme und Kranke Katholische Theologie. Von 1771 bis zu ihrem Tod stand sie einem Altenheim für 450 Frauen vor.

Melanie Kunze