7. Türchen:

Loretta von Starkenburg (um 1300-1346)

Mauerreste der Starkenburg CC BY 3.0 Peter Tritthart

„Man kann sich wirklich darüber wundern, wie ein
solch mächtiger Herr, der viele bekannte, beachtliche
und mutige Taten vollbracht hat, sich von einer
Gräfin gefangen nehmen ließ.“

Der Historiker Peter Maier von Regensburg im 16. Jahrhundert

Loretta heiratet Heinrich von Sponheim mit fünfzehn Jahren und gebiert ihm drei Söhne. Nach dessen frühem Tod bestimmt ihr Schwiegervater Johann die erst 24-Jährige zur Regentin für ihren unmündigen Sohn, unerhört für eine Frau im Mittelalter. Wenig später stirbt auch er.
Danach gelten Lorettas Ländereien im Hunsrück und an der Mosel als leichte Beute für die Grafen der umliegenden Herrschaften. Doch Loretta weiß sich zu behaupten, anfangs mithilfe des mächtigen Kurfürsten Balduin von Trier. Als auch er sich heimlich auf ihre Kosten zu bereichern versucht und eine Burg auf ihren Ländereien errichten lässt, fackelt Loretta nicht lange: Im Mai 1328 lässt sie Balduin während einer Schifffahrt entführen und auf der uneinnehmbaren Starkenburg hoch über der Mosel festsetzen. Anfangs schäumt Balduin vor Wut. Trotz der Exkommunikation durch den Papst lässt sich Loretta nicht einschüchtern. Schließlich verhandelt Balduins Neffe Johann, König von Böhmen, die Bedingungen für seine Freilassung. Doch Balduin bleibt auf der Starkenburg: Loretta gilt als sehr schöne Frau. Bis heute ranken sich viele Legenden um die Verlängerung seines Aufenthalts.
Nach sieben Jahren übergibt Loretta die Grafschaft an ihren Sohn, in besserem Zustand als zuvor. Sie selbst zieht sich auf die von ihr errichtete Frauenburg bei Idar-Oberstein zurück, wo sie den Rest ihres Lebens verbringt.

Marie Lacrosse