23. Türchen:

Lisa Hausmann-Löns (1871-1955)

Lisa Hausmann-Löns

Sie war die Frau im Hintergrund und begnügte sich lange Zeit mit einem Dasein in der zweiten Reihe. Den Platz im Licht überließ Lisa Hausmann – Löns lieber ihrem Gatten Hermann, der hierzulande als „Heidedichter“ zu Ruhm und Ehre gelangte. Geboren wurde Lisa als Tochter des im norddeutschen Raum bekannten Landschaftsmalers Heinrich Gustav Hausmann und dessen Frau Johanne. Früh im Elternhaus kulturell geprägt und so wissbegierig wie zielstrebig, nahm sie nach der Schulzeit und einem Aufenthalt in England eine Stelle als Redaktionssekretärin in einem hannoverschen Zeitungsverlag an. Dort lernte Lisa auch Löns kennen, der ebenfalls bei der Zeitung tätig war . Im Mai 1902 gab sie ihm ihr Jawort. Doch sie wurde damit mehr als nur seine Ehefrau. Bald übernahm Lisa zahlreiche Arbeiten ihres Mannes, tippte seine Manuskripte ab, machte die Buchhaltung, verfasste eigene und übersetzte englische Texte ins Deutsche. 1906 wurde Lisa Mutter eines Sohnes namens Dettmer, den sie zeitlebens versorgte, da er behindert war. Die Ehe scheiterte an Hermanns Alkoholsucht, seinen Liebschaften und Depressionen. Es entfachte sich ein erbitterter Scheidungskrieg. Löns flüchtete vor Frau und Kind – und starb 1914 als Soldat im Ersten Weltkrieg. Lisa Löns veröffentlichte zunehmend ihre eigenen Texte und war weiterhin als Übersetzerin tätig. Zudem focht sie um ihr Erbe, das Löns seiner letzten Gefährtin hinterlassen hatte – das Ehepaar waren bei seinem Tod noch nicht geschieden. In einem Vergleich bekamen Dettmer und sie 5/6 des Erbes zugesprochen. Finanziell abgesichert kümmerte sich Lisa nun um den literarischen Nachlass ihres Mannes – und bewährte sich dabei als kluge Verwalterin. Zuletzt lebte sie mit Dettmer in Bad – Oeynhausen, wo sie am 2. Dezember 1955 verstarb. In zahlreichen Nachrufen wurde sie als erste Redakteurin und Berichterstatterin Deutschlands geehrt.

Cosima Bellersen Quirini