19. Türchen:

Julie Wolfthorn (1864-1944)

Das Bild von Julie Wolfthorn in ihrem Atelier war das Titelblatt der Zeitschrift „Die weite Welt“ die im Februar 1902 erschien.

Sie durfte als Waise die Malschule besuchen. Juli war dankbar dafür, dass ihr die Berliner Verwandtschaft, die sie nach dem Tod der Eltern aufgenommen hatte, eine solche Ausbildung ermöglichte! Und sie, die Westpreußin aus Thorn, durfte sogar in Paris an der berühmten Academie Colarossi studieren. Und dann noch eine Zeichenschule für Damen. Julie war froh – und gewappnet für ein Leben als Porträt- und Landschaftsmalerin. Sie gründete 1898, als eine von vier Frauen die Berliner Secession – sozusagen als Gegenpol zum bis dahin dominierenden akademischen Kunstbetrieb unter der Leitung des Malers Max Liebermann. Dort stellte Julie nun regelmäßig aus, zudem war sie eine gefragte Auftragsmalerin für Plakate und erhielt regelmäßig Anfragen für Porträts. Die Liste derer, die sie auf die Leinwand gebannt hat, konnte sich ehen lassen, das war ein wahres Who‘s who der damaligen Gesellschaft! Auch das Jugendstil-Magazin Jugend fragte bei ihr an, sie sollte Grafiken und Illustrationen für Titelblätter und verschiedene Blätter anfertigen. Doch damit nicht genug. Julie wolle die Frauenkunst fördern und eröffnete 1904 ein Schülerinnenatelier. Zudem unterzeichnete sie ein Jahr später mit über 200 Künstlerinnen eine Petition zur Zulassung an der Preußischen Akademie der Künste. Vergebens, der Eintritt blieb ihr verwehrt. Doch Julie blieb sehr aktiv, trat dem Deutschen Künstlerbund bei, gründete zusammen ihrer Kollegin Käthe Kollwitz die Verbindung Bildender Künstlerinnen und wurde Mitglied im Hiddensoer Künstlerinnenbund, der 1933 durch die Nationalsozialisten wieder aufgelöst wurde. Bald spürte auch sie selbst den erbarmungslosen Arm der neuen Regierung, sie wurde aus der Secession ausgeschlossen. Ihr blieben nur noch Ausstellungsmöglichkeiten beim Jüdischen Kulturbund.
Im Oktober 1942 wurde Julie Wolfthorn, die sich so intensiv um die Förderung der Frauenkunst bemühte, im Alter von 78 Jahren zusammen mit ihrer Schwester Luise, mit der sie zeitlebens zusammengelebt hatte, in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie nach gut zwei Jahren verstarb.

Cosima Bellersen Quirini