15. Türchen:

Elisabeth Dauthendey (1854-1943)

Elisabeth Dauthendey

„Und wie die Morgenröte aufbricht an den erwachenden Himmeln. Mit zarten, leisen und keuschen Farben ihren ganzen Horizont bedeckt, bis er, im goldenen Glührot aufleuchtend, die Sehnsucht der Erde mit seligen Ahnungen und Schauern erfüllt, ohne noch an die letzten Flammen ihres wartenden Schoßes zu rühren – So überströmt die Morgendämmerung der ersten Liebesseligkeit das erwachende Weib mit jenem übersinnlich sinnlichen Erglühen, das, nur von leisen Ahnungen und fernen Träumen genährt, das erschauernde Blut mit seltsamem Bangen, Grauen und Seligkeiten überflutet, zu dessen dunklen Unergründlichkeiten die arme, noch so nackte und leere Seele weder Eingang noch Ausgang findet.“
Das schreibt Elisabeth Dauthendey in ihren Erotischen Novellen. Die Schriftstellerin, die einen Großteil ihres Lebens in Würzburg verbrachte, bedient sich einer sehr malerischen und metapherreichen Sprache. Bekannt wurde sie vor allem für ihre Märchen und Novellen. Mit ihrem Essay Vom neuen Weibe und seiner Liebe setzte sie sich aber auch mit dem Thema Ehe auseinander. Und in den Erotischen Novellen mit Sinnlichkeit und Sexualität.

Eva-Maria Bast