11. Türchen:

Ingeborg Syllm-Rapoport (1912-2017)

ADN-ZB/Weisflog/ 30. 10. 85 / Cottbus: Vertreter des Komitees „Ärzte der DDR zur Verhütung eines Nuklearkrieges“ besuchten das Bezirkskrankenhaus Cottbus. Sie führten Gespräche in verschiedenen Bereichen des Hauses – Prof. Dr. Ingeborg Rapoport diskutierte z.B. mit Schwestern des Kinderklinik. Anschließend fand ein Friedensmeeting im Krankenhaus statt.

Die Ärztin und Professorin für Pädiatrie an der Kinderklinik der Charité hatte von 1969 bis 1973 den ersten europäischen Lehrstuhl für Neonatologie inne und gilt als renommierteste Kinderärztin ihrer Zeit. Sie wurde erst im Alter von 102 Jahren promoviert. 77 Jahre zuvor war ihr die Teilnahme an der mündlichen Prüfung als „jüdischem Mischling“ verweigert worden. Ein Jahr später, 1938, emigrierte sie in die USA, wo sie 1944 ihren Mann Samuel Mitja Rapoport kennenlernte, mit dem sie vier Kinder bekam. Das Ehepaar kämpfte zusammen mit der Kommunistischen Partei der USA gegen Rassendiskriminierung. Als Ermittlungen gegen sie eingeleitet wurden, flohen sie nach Zürich und zogen 1952 in die DDR, wo beide an der Charité arbeiteten. Hier „entwickelte Ingeborg Rapoport ihre Abteilung inhaltlich und strukturell mit dem Neuaufbau einer Station für Neugeborenen-Intensivtherapie und einer Forschungsabteilung (Schwerpunkte Hypoxie, Bilirubin, Surfactant) weiter“, wie es im Nachruf der Charité heißt. Der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Hamburg, Uwe Koch-Gromus, sorgte dafür, dass Ingeborg Rapoport ihre Promotion schließlich doch noch erhielt. Ingeborg Rapoport lehnte die Möglichkeit einer prüfungslosen Anerkennung als Doktor honoris causa ab. Sie wollte die Prüfung ablegen und bestand magna cum laude. Da war sie 102 Jahre alt und vermutlich der älteste Mensch, der je ein Promotionsverfahren abgeschlossen hatte.

Eva-Maria Bast