1. Türchen:

Tony Sender

Tony Sender (1888-1964)

„Ihr Frauen und Mädchen habt den Mut zum Neuen, habt den Mut zum Glück.“

Tony Sender 1928

Sie galt als brillante Rednerin, die sich von Zwischenrufen nicht aus dem Konzept bringen ließ. Unerschrocken prangerte sie an, was sie für falsch hielt, und wurde nicht müde, ihre Überzeugung zu predigen: Als Tony Sender am 29. November 1888 als dritte Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Biebrich bei Wiesbaden geboren wurde, konnte niemand ahnen, dass sie einmal als eine der ersten Frauen im Deutschen Reichstag sitzen und später als amerikanische Staatsbürgerin für Menschenrechte kämpfen würde.

Schon mit 13 Jahren verlässt sie ihr Elternhaus und besucht die private Handelsschule für Mädchen in Frankfurt am Main. Bereits zwei Jahre später verdient sie sich als Bürogehilfin ihren Lebensunterhalt praktisch allein. Sie tritt der SPD bei, ist als Journalistin tätig und arbeitet im Ersten Weltkrieg freiwillig im Lazarett. Längst hadert sie innerlich mit der SPD, und als sich die innerparteiliche Opposition in Form der USPD herausbildet, hat sie ihre politische Heimat gefunden. Schnell macht sie in der Partei Karriere: 1920 zieht sie als Abgeordnete für den Wahlkreis Hessen-Nassau in den Reichstag ein. Dort bleibt sie bis 1933 – ab 1924 wieder als Mitglied der SPD. Nach der Machtergreifung Hitlers emigriert sie in die USA und wird 1943 amerikanische Staatsbürgerin. Sie engagiert sich unter anderem in der UN-Menschenrechtskommission und arbeitet unermüdlich für die Gleichstellung und Unabhängigkeit der Frau. Am 26. Juni 1964 stirbt sie in New York.

Karsten Eichner